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Warum gibt es Ebbe und Flut an der Nordsee

Ebbe und Flut

Das Wechselspiel von Ebbe und Flut – Das Naturphänomen der Gezeiten an der Nordsee

Für jeden Besucher in der Nordseeregion ist der ständige Wechsel von Ebbe und Flut sicherlich das Naturerlebnis, das am meisten und am nachhaltigsten beeindruck. Die gesamte Nordseeküste, natürlich auch die in Schleswig-Holstein, ist geprägt von dem und durch das permanente Wechselspiel der Gezeiten.


Zu einem Besuch um die Mittagszeit am Küstensaum noch die bis zum Ufersaum reichende „randvolle“ Nordsee erlebt, findet der abendliche Spaziergang zur Beobachtung eines wunderschönen Sonnenuntergangs vor der Kulisse einer weit hinaus reichenden trockengefallenen Wattfläche statt. Die Ebbe gibt ein weites Stück des Meeresbodens frei und bereits zum Zeitpunkt des niedrigsten Wasserstandes beginnt die Flut wieder, sich dieses Land zurückzuholen, es wieder zu überfluten – auch wenn man das zunächst nicht wahrnehmen kann.


Für Wattwanderer, die sich ohne Führung zu weit hinaus begeben oder sich gar alleine auf den Weg auf vermeintlich „festem Boden“ zu einer Hallig begeben, kann diese Fehleinschätzung der Zeitdauer des zurückfließenden Wassers fatale Folgen haben: Die tieferen Priele im Watt laufen zuerst und oft sehr unerwartet und plötzlich voll und schneiden leichtsinnigen Wanderern den Rückweg oder den Weg zum Ziel ab...

Wie entstehen Ebbe und Flut

Ganz einfach und verständlich hat es der deutsche Germanist, Philosoph und Aphoristiker Dr. Carl Peter Fröhling sehr poetisch in seinem Gedicht ausgedrückt:

Land und Meer,
Ebbe und Flut,
ewiges Nahen und Fliehn,
Geben und Nehmen. -
Sonne und Mond
nichts andres tun,
als ihre Kraft, ihr Leben
in den Raum zu verschwenden,
Land und Meer
trennen und wieder verbinden.

Tatsächlich entstehen die Gezeiten durch die Wirkung gewaltiger astronomischer Kräfte, durch das Zusammenspiel von Sonne, Erde und Mond, das sowohl die Anziehungs- als auch die Fliehkräfte erzeugt, Diese halten die gewaltigen Wassermassen der Erde, die immerhin 71 % der Erdoberfläche ausmachen, in ständiger Bewegung. Ohne hier weiter auch auf die Beeinflussung der Gezeiten durch die die Neigung der Erdachse, die Neigung der Erdumlaufbahn zur Bahn des Mondes sowie die Geografie einzugehen, kann man davon ausgehen, dass sich das
Grundphänomen von Ebbe und Flut zwischen Erde und Mond abspielt: Die Gravitationskraft des Mondes zerrt an der Materie des Planeten und auf der dem Mond zugewandten Erdseite folgt das Wasser der Ozeane der Anziehungskraft des Mondes – das Wasser bewegt sich zum Mond hin und bildet einen Flutberg. Da sich Erde und Mond um ein gemeinsames Zentrum, eine gemeinsame Drehachse, bewegen, entsteht durch die Rotation eine Fliehkraft, die das Wasser auf der mondabgewandten Seite von der Erde „wegdrück“ – es entsteht hier ein zweiter Flutberg, zwischen beiden Flutbergen befindet sich das Fluttal.


Weil sich die Erde innerhalb von 24 Stunden einmal um die eigene Achse dreht, „taucht“ sie somit zweimal unter einem Flutberg durch, wechseln sich also auch jeweils zweimal Ebbe und Flut ab.

Von Tide, Tidenhub, Springflut und Nippflut

Jeder Seemann, ob in der Berufsschifffahrt, in der Fischerei oder als Sportbootführer kennt die Notwendigkeit der Verwendung von Gezeitentabellen bzw. Tidenkalender für die einzelnen Tidegewässer .
Die Gezeiten werden auch als Tiden bezeichnet, wobei Tide von der niederdeutschen Bezeichnung Tiet = Zeit abgeleitet ist. Sie bezeichnen das Steigen und Fallen des Wassers im Ablauf der Gezeiten.Die für die Navigation erforderlichen Werte sind im Tidenkalender als eine Vorausberechnung in Form der der astronomischen Gezeiten für einen bestimmten Zeitraum und das jeweilige Seegebiet meist in Tabellenform dargestellt.


Sie sind für jeden Seefahrer z.B. für die Vorausberechnung der festgelegten Einfahrt in einen bestimmten Hafen, für die Durchfahrt durch ein bestimmtes Seegebiet mit Untiefen oder die Ermittlung der Wassertiefe zu einem bestimmten Zeitpunkt unverzichtbar, um beispielsweise nicht auf Grund zu laufen.

Mit dem Tidenhubwird der Unterschied zwischen dem Scheitelpegel (Hochwasser, HW) und dem untersten Pegelstand (Niedrigwasser, NW) für ein bestimmtes Küstengebiet angegeben. Der Zeitabstand zweier aufeinander folgender Hochwasser beträgt etwa 12 h 25 min, so dass sich die Zeiten von Hochwasser und Niedrigwasser von Tag zu Tag verschieben, was im Tidenkalender berechnet ist. Ein Blick in die Tidenkalender verschiedener Regionen zeigt, dass der Höhenunterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser regional sehr unterschiedlich sein kann.

An der deutschen Nordseeküste beträgt der durchschnittliche Tidenhub etwa 2 bis 4,5 Meter. In den Ästuaren (lateinisch aestuarium „der Flut ausgesetzte Flussmündung“ oder „Bucht“), also den tide beeinflussten Flüssen, wie z. B. Elbe und Weser, beträgt der Tidenhub aufgrund der Trichterwirkung bis über 4 Meter. Sowohl die Flutwelle als auch das Ebbetal wandern flussaufwärts, bis sie an der Tidengrenze auslaufen. Da die Tide der Unterelbe bis zur Tidengrenze etwa 6 Stunden braucht, ist z. B. in Geesthacht Flut, wenn in Cuxhaven Ebbe ist, und umgekehrt.


Wesentlich höher als in den deutschen Küstengewässern ist der Tidenhub beispielsweise an der französischen Atlantikküste bei Saint-Malo oder der in der Severn-Mündung und im Bristolkanal zwischen Wales und England, er kann dort 12 Meter (in Sudbrook) erreichen. Hohe Tidenhübe gibt es auch an der Ostküste Nordamerikas: Der wahrscheinlich größte Tidenhub der Erde findet sich an der Bay ofFundy in Kanada, zwischen den kanadischen Provinzen New Brunswick und Nova Scotia. Dort drängt sich die Tide des Atlantischen Ozeans in eine Bucht und bewirkt einen Tidenhub von bis zu 15 Metern; einen ähnlich hohen Wert erreicht der Südwesten der Ungava Bay in der kanadischen Arktis. Der maximale Wert für den Pazifischen Ozean wird im Penschina-Busen des Ochotskischen Meeres mit knapp 13 Metern erreicht.

Gibt es denn an den Ostsee auch Ebbe und Flut

Mit ca. 30 cm fällt der Tidenhub in der westlichen Ostsee dagegen vergleichsweise minimal aus. Grund: Nordsee und Ostsee sind lediglich durch eine schmale Meerenge des Skageraksmiteinander verbunden, das Wasser fließt hier wie durch ein Nadelöhr und die Ostsee ist beinahe ringsum von Land umschlossen. Deshalb macht sich der Unterschied zwischen Ebbe und Flut hier für gewöhnlich kaum bemerkbar.

Ein weiterer „Mitspieler“ bei den Gezeiten, praktisch eine „Antagonist“ im Zusammenspiel der kosmischen Kräfte ist eine dritte Kraft: Die Sonne. Der Stand der drei Himmelskörper zueinander entscheidet darüber, wie stark die Gezeiten zu spüren sind. Bilden Sonne, Erde und Mond eine Linie, kommt es zur sogenannten Springflut oder Springtide. Das heißt, die Flut läuft höher auf. Verursacht wird die Springtide durch besonders starke Gezeitenkräfte wenn sich Sonne, Mond und Erde auf einer Geraden befinden. Bei Vollmond steht die Erde zwischen Sonne und Mond (Opposition), bei Neumond steht der Mond zwischen Sonne und Erde (Konjunktion). In beiden Fällen entsteht eine Springtide. Eine solche Springtide mit einem Hochwasser von 1,20 Meter höher als normal war es übrigens auch, die in der Nacht vom 8. zum 9. Februar 2016 mit dafür sorgte, dass derseit 3. Februar 2016 in der Elbe festsitzende 400 Meter lange Containerriese „CSCL Indian Ocean“ wieder freigeschleppt werden konnte.


Wenn Sonne und Mond, von der Erde aus gesehen, in einem Winkel von 90° zueinander stehen, also bei Halbmond, kommt es zur Nippflut oder zur Nipptide. Bei dieser Konstellation ist der Tidenhub des Meeres besonders niedrig, da die Gravitationseinflüsse von Sonne und Mond genau entgegengesetzt wirken.
Eine Nippflut tritt alle 14 Tage auf. In der Deutschen Bucht, deren Tide maßgeblich durch die Tide des Nordatlantiks beeinflusst wird, kommt es zu einer Nippverspätung von einigen Tagen, sodass die Nipptide in Deutschland erst nach Halbmond auftritt.

Bei allen Erklärungen für dieses ständige Gezeitenphänomen an unseren heimatlichen Nordseeküste ist es immer noch am anschaulichsten, wenn man im Binnenhafen den Besuchern zeigt, wie innerhalb von ca. 6 Stunden die an der Kai schwimmend vertäuten Schiffe vier Meter tief auf den Schlickboden des Hafenbeckens bei Ebbe absinken.

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