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Mythos RUNGHOLT – Trockenen Fußes ins Museum

Musem Husum

Wer bereits an der empfohlenen geführten Wattwanderung zu zu der im Jahr 1362 während der großen Sturmflut untergegangenen Siedlung Rungholt teilgenommen hat oder wer sich an einer solchen Wattwanderung noch beteiligen möchte, dem sei hier entweder zur Vertiefung der gewonnenen Kenntnisse oder auch zur Einführung der Thematik Rungholt die überaus interessante Ausstellung „RUNGHOLT – rätselhaft und widersprüchlich“ im NordseeMuseum Husum. Nissenhaus sehr empfohlen.

Das Rätsel RUNGHOLT – eine Ausstellung zu einem sagenhaften Ort

Mit vielen, zum Teil noch nie gezeigten Ausstellungsstücken, die zum Teil aus den Sammlungsbeständen der Stiftung Schloss Gottorf, aus dem Heimatmuseum Nordstrand sowie dem Museum Landschaft Eiderstedt in St. Peter-Ording stammen, wurde am 29. Mai 2016 eine Ausstellung eröffnet, die nicht einen Mythos RUNGHOLT interpretieren will, sondern anhand von Karten, Zeichnungen, Fotografien und eben ganz vielen verschiedenen Funden auf einer sehr anschaulichen wissenschaftlichen Basis den sagenhaften Ort wieder auftauchen lässt.


Dabei werden insbesondere solche Mythen, wie der unermessliche Reichtum Rungolts, die Überheblichkeit und Verschwendungssucht seiner Bewohner und deren Gotteslästerung, was letztlich als „Strafe Gottes“ eben die den Ort vernichtende verheerende Sturmflut auslöste, ad absurdum geführt.


Die seit 1921 betriebene archäologisch-wissenschaftliche Erforschung des früheren Runholt-Gebietes, die noch heute andauert, belegt durch die Auswertung entsprechender Funde, dass vor der „Ersten GrotenMandränke“ die Westküste Schleswig-Holsteins in einem Zeitraum von über 150 Jahren für den internationalen Fernhandel ein bedeutungsvoller Umschlagplatz war. Hier lebten Menschen, die mit den Gegebenheiten des Landverlustes als Folge von Sturmfluten fertig werden mussten und sich einem seit etwa 1000 ansteigenden Meeresspiegel der Nordsee gegenüber sahen, die ihre zunächst ebenerdig errichteten Häuser jetzt auf höher liegenden Warften, den künstlich aufgeschütteten Hügeln, bauen mussten. Sie errichteten Deiche um ihre für Viehzucht und Ackerbau genutzten Flächen zu schützen , wovon heute im Watt noch Deichlinien zeugen, sie bauten Schleusen, von denen Pfahl- und Torreste im Watt gefunden wurden, woraus wiederum auf das frühe Vorhandensein eines Hafens geschlossen werden kann. Und sie hatten seit etwa 1200 das Sieden von Salz für sich entdeckt, das sie bis ins Rheinland und nach Flandern exportierten und damitzu gewissem Reichtum und zu Ansehen gelangten. Doch der Torfabbau, die Voraussetzung für die Salzsiederei, war für das Land alles andere als ungefährlich: In die Abbaugebiete konnte das Wasser problemlos eindringen und das Land dadurch wegspülen, was eventuell auch eine Erklärung für den so schnellen Untergang Rungholts sein kann.

Sonderausstellung Rungholt mit vielen Hintergründen und einem rekonstruierten Schädel.


Was die Ausstellung eindrucksvoll vermittelt, ist die Tatsache, dass der Untergang Rungholts, des „Atlantis des Nordens“, keine Strafe Gottes gewesen ist, sondern die Folge eines Naturereignisses, das mit den Kenntnissen und den Mitteln der damaligen Zeit nicht zu beherrschen war: Das zusammenhängende Landgebiet wurde nach einer drei Tage lang wütenden Sturmflut schließlich am 16. Januar 1362 auseinandergerissen, Wellen schlugen über die Deichkronen, Rungholt geht zusammen mit sieben anderen Gemeinden im nordfriesischen Wattenmeer unter, Südfallwird als erste Hallig von Alt-Nordstrand abgespaltet und der Chronist berichtet davon, dass 100.000 Menschen ums Leben gekommen sein - eine Zahl, die wahrscheinlich übertrieben ist.


Aber die Tragödie blieb unvergessen und blieb den Menschen immer in der Erinnerung: Mündliche Überlieferungen fanden Eingang in die Chroniken des 16. und 17. Jahrhunderts und neben der literarischen Verarbeitung des Stoffes durch den dem in Husum geborenen Schriftsteller Theodor Storm fand das Thema Rungolt auch Eingang in das Werk des bekanntesten Dichters und Schriftstellers Dänemarks, Hans Christian Andersen und in die lyrische Ballade von Detlev Freiherr von Liliencron – der Mythos lebte schon durch die Literatur weiter fort in den Fantasien der Menschen.
Doch die Sonderausstellung im NordseeMuseum Husum, dem wohl traditionsreichsten Museen an der Westküste Schleswig-Holsteins, das in dem imposanten Bau bereits 1937 eröffnet wurde, will mehr: Hier soll auf wissenschaftlicher Basis und anhand von Forschungsergebnissen Auskunft gegeben werden über das Leben der Bewohner des Gebietes Runholt mit all‘ den Artefakten, die das Meer bislang freigegeben hat und die mit modernsten wissenschaftlichen Methoden eine Altersbestimmung und somit eine Zuordnung in die Zeit der alles verschlingenden Sturmflut 1362 erfahren haben.Und dazu wartet die Ausstellung mit einem Zeitzeugnis der besonderen Art auf: Der Gesichtsrekonstruktion nach einem Schädel, der 1925 – also 563 Jahre nach dem Untergang Rungholts, im Watt dieses Gebietes gefunden wurde. Der Schädel gehörte einem männlichen Bewohner der Siedlung, der zwischen 30 und 35 Jahre alt war, als er in den Fluten umkam.


Die aufwändig durchgeführte Rekonstruktion mit Hilfe eines 3-D-Druckers und die wissenschaftliche Arbeit einer Rechtsmedizinerin zur Weichteil-Rekonstruktion, der Modellierung eines Gesichts, gaben letztlich dem ältesten bekannten Nordfriesen ein Antlitz – das Gesicht Rungholts!

Die bis zum 29. Januar 2017 stattfindende Sonderausstellung „RUNGHOLT – rätselhaft und widersprüchlich“ ist für Gäste, die an der Geschichte ihrer Ferienregion interessiert sind, wie auch für Einheimische, ein echter Tipp.


NordseeMuseum Husum. Nissenhaus
Herzog –Adolf-Straße 25
25813 Husum

Öffnungszeiten täglich (außer montags):
16. Juni bis 15. September – 10.00 Uhr – 17.00 Uhr
16. September bis 15. Juni – 11.00 Uhr – 17.00 Uhr

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