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„Schwarze Sonne“ - Tanz der Stare im deutsch-dänischen Grenzgebiet

Stare Sort Sol

Wussten Sie schon, dass schätzungsweise ca. 50 Milliarden Vögel jedes Jahr im Herbst in den Süden und im Frühjahr wieder zurück nach Nord- oder Mitteleuropa fliegen? Gut, das wussten Sie! Aber wussten Sie auch, dass Zugvögel manchmal 8000 Meter hoch fliegen, ihre Flughöhe in Europa jedoch normalerweise bei unter 1000 Metern liegt? Dabei fliegen die meisten Vögel nachts, manche größere aber auch tagsüber, dann segeln sie mit dem Wind. Das wussten Sie also auch schon… Und natürlich wissen Sie, dass zu den Zugvögeln auch der Weißstorch, der Kuckuck und der Star gehören.

Aber warum tausende Vogelfreunde aus allen Teilen Deutschlands und aus dem Ausland jedes Jahr im Frühjahr und im Herbst in das deutsch-dänische Grenzgebiet kommen und hier das nördlichste deutsche Vogelschutzgebiet im Rickelsbüller Koog und im Margrethe Koog in Dänemark besuchen, zwei echte ornithologische Paradiese, das könnte für Sie doch eine Neuigkeit sein.

 

Gigantischer Schwarm von Staren - „Schwarze Sonne“ oder „Sort Sol“

Auch wenn im Moment strahlender Sonnenschein noch recht selten ist, das Wetter wird freundlicher und die Temperaturen steigen langsam aber sicher – es wird Frühling. Jetzt kehren auch die Zugvögel aus ihren Winterquartieren zurück. Dazu gehören große Schwärme aus hunderttausenden Staren, die aus ihren Winterquartieren in Italien, Frankreich und Belgien kommen und hier wie in jedem Jahr Rast machen, um sich im deutsch-dänischen Grenzgebiet Fett anzufressen: Ihr Ziel liegt im Baltikum und in Russland und hier wollen sie sich für den Weiterflug noch einmal stärken. Würmer, Käferlarven, Insekten, Grünlandfutter – von 70 auf 110 Gramm Körpergewicht nehmen die Stare zu, dann sind sie brutbereit. Und das Grenzland ist für die Vögel besonders gut geeignet, weil sie in den Schilfgebieten der Seen und der Marsch besonders viel Nahrung und gleichzeitig Schutz finden. Die Übernachtungsmöglichkeiten in den Schilfgürteln bieten weitestgehend Sicherheit vor Mardern, Füchsen und streunenden Katzen und auch die Menschen sind weit weg. Selbst Windräder, sonst allgegenwärtig in der Region, stören hier nicht mit ihren Lichtern. Experten sprechen sogar davon, dass sich hier das größte Übernachtungsgebiet für diese Vögel in Nordeuropa befindet

Das Niederlassen und Erheben der Vögel aus dem Schilf und die dabei eigenommenen Formationen zu beeindruckend großen Schwärmen ist das, was die Menschen hier beobachten können und was einem Naturwunder gleicht. So verschmelzen währen des Zwischenstopps der Stare in unserer Region alljährlich sowohl im Frühjahr als auch vor dem Rückflug in die Überwinterungsgebiete im Herbst oft bis zu einer halben Million Stare in einer Wolke am Himmel zur„Schwarzen Sonne“ oder wie unsere dänischen Nachbarn es nennen zur „Sort Sol“ – ein einzigartiges Naturschauspiel für die Beobachter, das einmalige Bilder bietet, die sich eigentlich gar nicht beschreiben lassen. So etwas muss man selbst sehen und hören.

 

Stare wagehalsige Flugformationen gegen die natürlichen Feinde

Was wie einstudierte Kunstflugdarbietungen, wie ein „Luftballett“ – extra für die vielen Zuschauer einstudiert – aussieht, ist für die Stare bitterer Ernst und notwendige Überlebensstrategie. Sind sie im Schilf relativ geschützt vor Fressfeinden, so können sie beim Anflug auf die Schlafplätze leicht eine Beute der Raubvögel werden – wenn sie einzeln fliegen würden. So kommen sie zu großen Schwärmen etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang schon entfernt vor ihren Schlafplätzen zusammen.

Sie formieren sich zu einem dunklen Schleier, der schon von weitem sichtbar wird, bilden eine große gemeinsame Flug-Formation, die sich ausdehnt und wie zu einem weiten Netz wird und sich plötzlich zu einer überdimensionalen schwarzen Wolke verdichtet, die tatsächlich die bereits tief im Westen stehende Sonne verdunkeln kann – aber das Erlebnis der „Schwarzen Sonne“ ist am Himmel natürlich auch ohne Sonne einfach schön anzusehen.

Dabei fliegen die Stare in beeindruckenden Geschwindigkeiten von bis zu 100 km/h ihren Formationen wie nach geheimen Kommandos in synchronisierten Schwarmbewegungen - mal ganz tief über die Wiesen und Knicks, um dann wieder hoch in den Himmel zu steigen, sie bilden Trichter, Spiralen und pulsierende Wolken, teilen die Formation plötzlich in zwei Schwärme und führen diese genauso unverhofft wieder zusammen.

An den Formationen dieser gewaltigen Starenschwärme können Ornithologen und langjährige Beobachter dieses Naturschauspiel erkennen, welche Angriffe die Vögel abzuwehren versuchen. So unterschieden sich die Muster der Schwärme, je nachdem ob ein Habicht, ein Falke oder eine Wiesenweihe in der Nähe sind. Die Raubvögel, die die Stare „zum Fressen gern“ haben, sind dabei eindeutig im Nachteil: Die kleinen Vögel mit ihrem schwarz bläulich glänzendes Gefieder mit wenigen weißen Punkten können ihre halsbrecherischen Manöver mit den rasanten Kurven ohne Zusammenstöße so schnell fliegen, dass es den Jägern nicht gelingt, einen einzelnen Vogel aus den schnell wechselnden Verteidigungsformationen heraus zu fangen bzw. sie einzelnen Beutevögel gar nicht mehr erkennen können. Oftmals werden die viel mächtigeren Greifvögel in den Formationen der Stare regelrecht ganz dicht eingekesselt, dass sie nicht mehr mit den Flügeln schlagen können und unten wieder aus der Wolke heraus fallen, praktisch zum Absturz gebracht werden.

Die ganze „Vorstellung“ dauert etwa zehn bis zwanzig Minuten, manchmal auch bis zu einer halben Stunde, dann senkt sich die schwarze Wolke hinab ins Schilf, um dort zu fressen und zu schlafen. Allerdings vor der eigentlichen Ruhe wogt der Schwarm noch einige Male auf und lässt einen ohrenbetäubenden Lärm erschallen, um damit Feinde wie Marder oder Fuchs abzuschrecken.

 

Wechselnde Nachtquartiere der Stare im Grenzland

Wenn man den Gewohnheiten der Stare folgt, so scheinen diese in der Wahl ihrer „Übernachtungsquartiere“ recht wählerisch zu sein, da sie etwa alle drei bis sieben Tage ihre Schlafplätze wechseln. Auch nach ihrem „Tanz“ teilen sich die Vögel aus dem Schwarm oftmals auf und wählen verschiedene Orte zum Nächtigen. In der Zeit von Mitte März bis etwa Ende April und im Zeitraum September/Oktober ist das Schauspiel der „Schwarze Sonne“ zu beobachten, aber eben an verschiedenen Orten und an wechselnden Übernachtungsplätzen. Es kann also nicht mit hundertprozentiger Sicherheit gesagt werden, wo dieses faszinierende Spektakel als nächstes auftaucht. Deshalb sollte man sich in den Infozentren bzw. Tourismus-Vereinen (z.B. in Kanxbüll - zuständig für Aventoft, Emmelsbüll-Horsbüll, Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog, Klanxbüll, Neukirchen und Rodenäs ) nach eventuellen Führungen erkundigen.

Ein Geheimtipp für die Beobachter der „Schwarzen Sonne“, die gerne auf eigene Faust unterwegs sind, ist die Tonderner Marsch (Tøndermarsken) auf dänischer Seite, genau gegenüber von Aventoft, wo sich vom Deich aus das atemberaubende Schauspiel gut beobachten lässt.

Auch der 535 Hektar große Rickelsbüller Koog, das Naturschutzgebiet zwischen dem Bahndamm (Hindenburgdamm) nach Sylt und der dänischen Grenze ist ein Hot-Spot zur Vogelbeobachtung.

Ebenfalls erfolgversprechend sind Beobachtungen in Höhe des Haasberger Sees im Mündungsbereich des Dreiharder-Gotteskoogstromes unmittelbar an der deutsch-dänischen Grenze zwischen Süderlügum und Aventoft. Auch hier finden sich oftmals die riesigen Vogelschwärme nach ihren „Flug-Shows“ zur Übernachtung ein.

Auch die Uferregionen des ca. 56 Hektar großen Bundesgaarder Sees im Gotteskoog auf dem Gebiet der Gemeinde Neukirchen hat sich in den letzten Jahren als ein ergiebiges Beobachtungsgebiet für die beeindruckenden „Formationstänze“ der Stare am abendlichen Himmel in der Grenzregion zwischen dem nördlichen Nordfriesland und dem südlichen Dänemark herauskristallisiert.

Und last but not least wären noch die guten Beobachtungsmöglichkeiten um den Ruttebüller See zu nennen. Durch den ca. 55 ha großen See mit dem reichen Schilf- und Binsenbewuchs an den Ufern in direkter Nähe zum kleinen Ort Rosenkranz verläuft die gemeinsame Landesgrenze von Dänemark und Deutschland.

Wer dieses Naturphänomen schon einmal beobachten konnte, wird begeistert sein und vielleicht immer wieder einmal nach den so geselligen Singvögeln sehen, denn jeder Abend mit der „Schwarzen Sonne“ ist anders, ist immer wieder einmalig.

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