Ferienwohnung bauernhof Nordsee

Wat is’n dat? Ein Wattwurm !

Wattwürmer

Natürlich wird keiner, der jemals im Watt der Nordsee bei einer geführten Wattwanderung dabei war, diese Frage mehr stellen, wenn er samt Begleitung die seltsamen Häufchen sieht, die eine gewisse Ähnlichkeit mit einer kleinen Portion Spaghetti aus Sand haben.

Es ist Ebbe und auf der Fläche, die bis weit hinaus reicht, wo das Wasser beginnt, sieht man nur graubrauner Sand, obwohl hier doch noch vor kurzem überall Wasser war. Doch jetzt sind vom Wasser der Nordsee nur ein paar Pfützen und kleine Priele übrig. Ansonsten liegt der Meeresboden frei -eine weite, flache Fläche, auf der man spazieren gehen kann. Und auf dieser Fläche türmen sich, wohin man blickt, unzählige Häufchen auf dem feuchten Boden.

 Wattwurm

Bild eines dieser Häufchen

 

Ein „Arbeitswurm“ in der Gezeitenzone

Verantwortlich für diese Türmchen ist einer der wohl bekanntesten Bewohner des Wattenmeeres - der Wattwurm. Auch wenn man ihn nicht sofort sehen kann – der Name ist Begriff! Seine Verbreitung reicht von der Nord- und Ostsee bis zum Atlantik und dem Mittelmeer. Sein lateinischer Name ist Arenicola marina, vielfach auch als Sand- oder Pierwurm bezeichnet.

Wohl bei jeder Wattwanderung wird der Wattführer mit einer Grabeforke einmal einen Wattwurm an’s Tageslicht befördern und herumzeigen und ganz sicher ist, dass er mit seinem Aussehen keinen Schönheitspreis gewinnt: Mit einer Länge von etwa 30 bis 40 Zentimeter ist der Nordseewattwurm dunkelrotbraun bis fast schwarz gefärbt, wogegen der aus der Ostsee stammende Wattwurm heller und eher rötlich gefärbt ist.

Das vordere Ende des langen Wurmes ist fingerdick, es verjüngt sich zum Schwanz hin. Um Sand aufnehmen zu können, hat der Wattwurm am Kopfende einen ausstülpbaren Rüssel. An der Mitte seines Körpers sitzen paarweise grellrote Kiemenbüschel.

Sein Zuhause im Watt ist eine U-förmige Wohnröhre im sandigen Boden deren Innenwände er mit Schleim verklebt hat, damit sie nicht einstürzt. In etwa 20 Zentimeter Tiefe lebt und verrichtet seine Arbeit, indem er durch den Atem- und Fresstrichter für eine Durchströmung

seiner Sandröhre sorgt. Mit dem Rüssel nimmt er dabei mit dem einströmenden Wasser den Sand auf, aus dem er die oft mikroskopisch kleinen Tierchen und Pflanzenteile filtert, von denen er sich ernährt.

Nach ca. 40 Minuten ist der Wurm voller Sand, den er nun natürlich wieder loswerden muss. Auf gut Deutsch: Der Wurm muss sich entleeren. Dazu bewegt er sich im Ausscheidungsröhrchen seiner U-förmigen Behausung mit dem Schwanz voran nach oben und scheidet aus einer Position kurz unter der Oberfläche den Sand aus seinem Tunnel nach oben. Dabei entstehen die für das Watt so typischen kleinen Sandwülste - „Wattwurmkacke“. Da der Wattwurm jedoch

alle verwertbaren Rest aus dem Sand gefiltert hat, ist dieser im Gegensatz zu anderen „Kothaufen“ nicht eklig sondern sehr sauber.

 

 

Detail

Detailbild eines Wattwurms

 

Der „Ingenieur“ im Ökosystem Watt

Wenn bislang immer nur vom Wattwurm in der Einzahl gesprochen wurde, so tut man seinen Mistreitern und Mitstreiterinnen jedoch Unrecht – immerhin sind es ca. 40 Würmer pro Quadratmeter, die ständig den Sand des Wattes fressen und dabei die organischen Stoffe herausfiltern und verwerten. Sie bringen es zu einer beachtlichen Leistung, denn einmal im Jahr fressen alle Wattwürmer der Nordsee den gesamten Sand des Wattes oberhalb von 20 cm Tiefe, graben das Watt bis in diese Tiefe praktisch einmal um. Der einzelne Wattwurm filtert dabei 25 kg Sand jährlich, bleibt mobil und trägt so zur Destabilisierung und Umwälzung des Wattbodens bei.

Und immer, wenn die Flut kommt, bringt sie frisches Plankton, das in die seichten Gewässer gespült wird. Es gibt also reichlich Nahrung für die Wattwürmer, die dadurch immer sauerstoffreiches Wasser erhalten - gut für das Plankton und auch für die Wattwürmer. Auch andere Organismen profitieren von der Durchlüftung des Wattbodens. In der Kraterlandschaft zwischen den Sandwülsten bleiben bei Ebbe kleine Pfützen zurück, die vielen Organismen ein gutes Versteck bieten.

Der Wattwurm ist somit nicht nur von Bedeutung für Arten, die ohne ihn hier nicht vorkommen würden, sondern genießt im Rahmen der Vielfalt der Lebewesen im Ökosystem Wattenmeer, ob Pflanzen oder Tiere, eine besondere Stellung: Besonders durch seine Wühltätigkeit, durch die er den Wattboden eines dicht besiedelten Gebiets „umgräbt“. Das dient einerseits seinem Nahrungserwerb andererseits werden dabei große Mengen organischer Substanz aus dem Wattboden aufgenommen und der Boden mit Sauerstoff angereichert. In einem Gezeitenboden ohne Wattwürmer würde es sofort zu einer stärkeren Verschlickung kommen, in deren Folge sich vermehrt Algenblüten auf der Oberfläche bilden würden

 

Gefährliche Arbeitsbedingungen für den Wattwurm

Auch wenn die Wattwürmer bei ihrer „Arbeit“ nicht zu sehen sind, haben sie natürliche Feinde. Dazu zählen insbesondere viele Vögel des Wattenmeeres. Besondere Gefahr besteht, wenn sich der Wattwurm in seiner Röhre nach oben begibt, um den verarbeiteten Sand als Sandschnur abzudrücken. So laufen z.B. Vögel wie Austernfischer, Alpenstrandläufer oder Knutt, auch Knuttstrandläufer genannt, die mit ihren langen Beine und ihre spitzen, langen Schnäbelnbestens an das Leben im Watt angepasste sind, bei Niedrigwasser über die Wattflächen. Dabei haben sie mit wachen Augen den Wattboden immer im Blick. Sobald sich ein neuer Wurmhaufen aus dem Boden kringelt, stochern die Vögel mit ihren Schnäbeln in die Röhre und versuchen, den Wurm zu packen, wissend, was sich für eine leckere Beute unter den Spaghetti-Haufen verbirgt.

Um zu vermeiden, dass er ganz gefressen wird, kann der Wattwurm in so einem Fall sein dünnes Hinterteil stückweise abstoßen. Der Vogel bekommt dann nur ein bis zwei Zentimeter zu fressen und der Wurm kann sich in die Tiefen seiner Röhre retten. Vorteil für den Wattwurm ist dabei, dass der aus rund 100 Segmenten bestehende Schwanz eine Sollbruchstelle besitzt und so das abgeknabberte Stück zwar nicht nachwächst, sondern die verbliebenen Segmente länger werden. So kann der Wurm in seinem Leben etwa 30-mal gebissen werden, ohne Schaden zu nehmen.

Diese, von der Natur eingerichtete Fähigkeit rettet ihn allerdings nicht vor einem anderen Feind – dem Angler. Wattwürmer sind nämlich auch ein super Angelköder, besonders zum Brandungsangeln. Sie versprühen durch ihren Körpersaft einen verführerischen Duft, der sie für Seefische unwiderstehlich macht. So eignen sich Wattwürmer hervorragend, um Bodenfische wie Scholle, Flunder oder Aal zu angeln. Auch der Dorsch beißt gerne mal auf einen Wattwurm und sogar die Meerforelle und den Lachs kann man mit diesem Köder fangen.

Die Angler, die den Wattwurm als Köder selbst suchen, orientieren sich bei der Suche nach diesem Köder ebenfalls an den Spaghetti-Häufchen, um dann mit einer Grabegabel den Wurm komplett und unversehrt aus seiner Behausung zu holen. Eine andere Methode ist es, die Wattwürmer zu „plümpern“ oder zu „pümeln“. Das Wort Plümpern stammt aus dem Plattdeutschen und bedeutet übersetzt so viel wie „Aufwühlen“. Das geschieht mit einem handelsüblichen Ausgussreiniger, der auch als Toiletten-Pömpel bekannt ist – hierzu mit einem Besenstiel verlängert.

Und noch eine reale Bedrohung macht dem Wattwurm zu schaffen: Sein Lebensraum, den er maßgeblich mitgestaltet und prägt, ist durch Folgen von Überdüngung und damit durch zunehmende Sauerstoffarmut bedroht. Er selbst kann zwar einen sehr geringen Sauerstoffgehalt tolerieren , aber die Verschmutzung durch große und kleine Müllpartikel sowie die Anreicherung mit Schadstoffen sind Gefahren, die weitreichende negative Konsequenzen für das gesamte Ökosystem der Nord- und Ostsee bedeuten können.

Zurück

Schafe
  • Tel: +49.04663.1889576
  • Fax: +49.04663.2034927
  • Mail: Info@Hockmannshof.de

© 2010 - 2017.Hockmannshof - NordseeUrlaub mit HundFerienwohnung auf dem BauernhofImpressum/Datenschutzerklärung